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Synonyme
Reizdarm, Irritables Darmsyndrom (IDS), Reizkolon, Colon irritabile, nervöser Darm, Irritable Bowel Syndrome (IBS) 

Definition
Unter dem Begriff  „Reizdarm-Syndrom“  werden verschiedene, meist chronische oder chronisch wiederkehrende funktionelle Darmbeschwerden ohne organisch erkennbare Ursache zusammen gefasst, die sich in Form verschiedener Bauchbeschwerden und/oder Unregelmäßigkeiten bei der Verdauung äußern; die Ursache ist (aus schulmedizinischer Sicht) unklar und die Beschwerden werden häufig als psychosomatisch eingestuft. Die Diagnose „Reizdarm“ kann erst nach Ausschluss anderer Erkrankungen wie z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Divertikulitis, Divertikulose, Darmentzündungen oder Darmkrebs gestellt werden.

Häufigkeit
in den Industrieländern leiden etwa 30% der Bevölkerung an unklaren Bauchbeschwerden und bei 50% dieser Patienten ergibt die Diagnostik durch den Facharzt das Ergebnis „unspezifische Abdominalbeschwerden“ – alleine in Deutschland wird jährlich bei 3 Millionen Menschen die Diagnose „Reizdarm“ gestellt.

Ursache
Die Ursachen des Reizdarmssyndroms sind bisher (naturwissenschaftlich) nicht vollständig geklärt, diskutiert werden Veränderungen der Darmbeweglichkeit, Reaktionen des Immunsystems, Ernährungsgewohnheiten und psychische Faktoren.

Symptome
Typisch für den Reizdarm sind andauerndes Unwohlsein und oft krampfartige oder dumpfe Schmerzen im Bauchraum, sehr häufig auch veränderte Stuhlgewohnheiten, Völlegefühl, Blähbauch und vermehrter Windabgang.

Es kann zu Durchfällen oder Verstopfung (oft auch abwechselnd) kommen, die Häufigkeit des Stuhlgangs kann stark variieren oder dem Stuhl kann Schleim beigemengt sein; häufig bleibt nach dem Stuhlgang auch ein Gefühl des unvollständigen Entleertseins zurück.

Bei fast allen Reizdarm-Patienten liegt eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie) des Darmes vor; so werden auch normale Darmbewegungen und physiologische Gasbildung als schmerzhaft empfunden.

Diagnostik
Um andere, z. T. schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen, kommen bildgebende Verfahren (Magen- und Darmspiegelung zum Ausschluss von Magen- oder Darmkarzinomen, Entzündungen und Geschwüren sowie Ultraschalluntersuchungen zum Ausschluss von Erkrankungen oder Gewebeveränderungen anderer Bauch- oder Beckenorgane), ggfs. histologische Untersuchungen (Biopsien) sowie Laboruntersuchung (Blut, Stuhl, Urin) zum Einsatz.

Andere Ursachen für Bauchbeschwerden (und somit relevant für die Diagnostik und Therapie) können sein: Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Nahrungsmittelallergien, Laktoseintoleranz, Fruktoseunverträglichkeit, Glutenintoleranz, Zöliakie / Einheimische Sprue, Histaminosen, Parasitosen, Fehlbesiedlungen oder Störungen der Darmflora (Dysbiose), Darmpilze, Fehlverdauung (Maldigestion), schlechte Aufnahme der Nahrungsbestandteile (Malabsorption), psychische Probleme und Stress sowie vorangegangene Infektionskrankheiten, Antibiotikabehandlungen oder Nebenwirkungen von anderen Medikamenten.

Kritisch betrachtet kann man sagen, dass das „Reizdarmsyndrom“ häufig eine Verlegenheitsdiagnose darstellt, weil keine gründlichere Diagnostik zu den gerade genannten Ursachen erfolgt, denn dies bedeutet zusätzliche Kosten (interessant ist, dass Krankenkassen zwar problemlos die Kosten für eine Darmspiegelung übernehmen, die Kosten für eine differenzierende Stuhluntersuchung im Hinblick auf die Erkennung einer Dysbiose hingegen aber offenbar zu stark das Quartalsbudget des Arztes belasten, so dass diese dann nicht durchgeführt wird). Teilweise fehlt aber auch das Wissen um die Zusammenhänge.

Therapie
Aus meiner Praxiserfahrung heraus kann ich sagen, dass mir bisher kein Reizdarmsyndrom begegnet ist, bei dem nicht eine der im vor-vorherigen Absatz aufgezählten anderen Ursachen zu finden war (in sehr vielen Fällen sind die Bauchbeschwerden dann auch mit weiteren Beschwerden verbunden, bei der schulmedizinisch ebenfalls keine klare Ursache zugeordnet bzw. kein Zusammenhang hergestellt wird – so z. B. chronische Müdigkeit, Erschöpfung, Infektanfälligkeit, vielfältige Hauterkrankungen, Allergien, funktionelle Herzbeschwerden, Kopfschmerzen und Migräne, Konzentrationsprobleme, Nervosität, Schlafstörungen, depressive Verstimmung - all diese Beschwerden können ihre Ursache im Darm haben bzw. direkt in Beziehung mit dem Verdauungstrakt stehen).

Jeder Therapie muss der Ausschluss einer schwerwiegenden Darmerkrankung (ggfs. Diagnostik durch den Facharzt) vorausgegangen sein.

In vielen Fällen veranlasse ich zunächst eine Laboruntersuchung anhand einer Stuhlprobe. Im nächsten Schritt erstelle ich einen Therapieplan, beim dem (neben dem eventuell akut notwenigen Einsatz verschiedener Präparate wie z.B. Probiotika zur Darmsanierung, Schleimhauttherapeutika zur Entzündungshemmung und Immunregulierung oder Phytotherapeutika zur Unterstützung der Verdauungsfunktion) die konstitutionelle Behandlung mit Homöopathie (evtl. auch Akupunktur) in Verbindung mit einer typgerechten Ernährungsempfehlung im Mittelpunkt steht. So wird die Eigenregulation des Organismus auf allen Ebenen wieder hergestellt und die Selbstheilungskräfte werden nachhaltig aktiviert.

Wie bei jeder ganzheitlichen Behandlung spielen auch hier das persönliche Gespräch, die Berücksichtigung von individuellen Lebensumständen sowie das Erkennen besonderer geistiger und emotionaler Zustände eine große Rolle; die damit verbundene „seelsorgerische“ Betreuung im Sinne einer Prozessbegleitung ist eine weitere zentrale therapeutische Aufgabe, die ich gerne und gewissenhaft wahrnehme.

Praxis Krell Berlin-Mitte
Rainer Krell — Heilpraktiker
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